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Kletten-Labkraut – das unterschätzte Wildkraut am Wegesrand

Kletten-Labkraut – das Wildkraut, das fast jeder kennt und kaum jemand beachtet

Es gibt Pflanzen, die genießen einen ausgezeichneten Ruf. Löwenzahn gehört dazu. Brennnessel ebenfalls. Selbst Spitzwegerich hat sich mittlerweile einen festen Platz in vielen Kräuterbüchern erobert. Und dann gibt es das Kletten-Labkraut. Eine Pflanze, die von den meisten Menschen kaum beachtet wird. Obwohl ihr vermutlich fast jeder schon begegnet ist. Wer als Kind durch hohe Wiesen gestreift ist, kennt die kleinen klebrigen Kugeln, die sich hartnäckig an Hosenbeinen festsetzen. Hundehalter sammeln sie regelmäßig aus dem Fell ihrer Vierbeiner. Und Pferdebesitzer entdecken sie oft an Mähnen und Schweifen. Die wenigsten wissen jedoch, dass hinter diesem hartnäckigen „Anhalter“ eine Pflanze steckt, die seit Jahrhunderten einen festen Platz in der europäischen Kräuterkunde hat.

Ein Meister der Verbreitung

Das Kletten-Labkraut (Galium aparine) hat eine geniale Strategie entwickelt, um seine Samen zu verbreiten. Stängel, Blätter und später auch die Samen sind mit winzigen Häkchen besetzt. Diese wirken wie natürliche Klettverschlüsse. Sobald ein Mensch, ein Hund, ein Pferd oder ein Wildtier vorbeistreift, bleibt die Pflanze hängen und reist ein Stück mit. Was uns manchmal lästig erscheint, ist aus Sicht der Pflanze ein wahres Meisterwerk der Evolution. Kein Wunder also, dass das Kletten-Labkraut heute fast überall in Europa zu finden ist. Es wächst an Wegrändern, Waldrändern, Hecken, Böschungen, Zäunen, in Gärten und auf Wiesen. Oft direkt vor unserer Haustür.

Woran ist Kletten-Labkraut zu erkennen?

Hat man die Pflanze einmal bewusst gesehen, erkennt man sie erstaunlich leicht.
Typisch sind:

  • lange, rankende Triebe
  • schmale Blätter, die sternförmig um den Stängel angeordnet sind
  • kleine weiße bis grünlich-weiße Blüten
  • winzige Häkchen an Stängeln und Blättern
  • die bekannte Eigenschaft, an Kleidung und Fell haften zu bleiben


Besonders im Frühjahr und Frühsommer bildet die Pflanze oft dichte Bestände und klettert über andere Kräuter hinweg. Einmal erkannt, taucht die Pflanze plötzlich überall auf. Ein Phänomen, das viele Kräuterfreunde kennen. Es ist ein wenig wie mit einem neuen Auto. Jahrelang fährt man durch die Gegend, ohne es bewusst wahrzunehmen. Doch kaum interessiert man sich dafür, scheint es plötzlich an jeder Straßenecke zu stehen. Mit dem Kletten-Labkraut ist es ganz ähnlich. Wer die Pflanze einmal kennengelernt hat, entdeckt sie plötzlich an Wegrändern, unter Hecken, auf Wiesen, an Zäunen und entlang von Feldwegen. Oft fragt man sich dann unweigerlich, ob sie schon immer dort gewesen ist. Die Antwort lautet: Ja. Man hat sie nur bisher nicht bemerkt.

Vom Unkraut zum geschätzten Wildkraut

Während viele Menschen das Kletten-Labkraut eher als lästiges Unkraut betrachten, wurde die Pflanze in der traditionellen Kräuterkunde über Jahrhunderte hinweg geschätzt. Alte Kräuterbücher beschreiben ihre Verwendung bereits vor vielen Generationen. In Klostergärten und bei Kräuterkundigen war die Pflanze ebenso bekannt wie in der Volksheilkunde verschiedener europäischer Regionen. Interessant ist dabei, dass das Kletten-Labkraut nie zu den großen „Stars“ unter den Heilpflanzen gehörte. Vielleicht macht genau das seinen besonderen Reiz aus. Es ist keine exotische Pflanze aus fernen Ländern. Es wächst nicht nur in besonderen Höhenlagen oder abgelegenen Regionen. Es wächst direkt vor unserer Nase.

Warum Kletten-Labkraut oft mit der Lymphe in Verbindung gebracht wird

Spricht man mit erfahrenen Kräuterkundigen über Kletten-Labkraut, fällt häufig ein Begriff: die Lymphe.

Das Lymphsystem wird oft als die „Müllabfuhr des Körpers“ bezeichnet. Es transportiert Gewebeflüssigkeit, Eiweiße und Stoffwechselprodukte und ist eng mit dem Immunsystem verbunden. Bereits vor langer Zeit wurde das Kletten-Labkraut als Pflanze angesehen, die diesen Bereich begleiten kann. Deshalb findet man es bis heute in zahlreichen traditionellen Kräutermischungen, die für Entlastungs- und Regenerationsphasen verwendet werden. Ob alte Kräuterbücher, traditionelle Anwendungen oder moderne Kräutermischungen – die Verbindung zwischen Kletten-Labkraut und dem Lymphsystem zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte dieser Pflanze.

Mehr als nur ein Lymphkraut

Wer sich mit traditioneller Kräuterkunde beschäftigt, stößt beim Kletten-Labkraut schnell auf das Thema Lymphe. Doch damit endet die Geschichte dieser Pflanze nicht. In alten Kräuterbüchern und überlieferten Anwendungen wird das Kletten-Labkraut häufig auch mit Haut, Stoffwechsel und Ausscheidung in Verbindung gebracht. Viele Kräuterkundige betrachteten die Pflanze als einen Begleiter in Zeiten, in denen der Körper Entlastung und Unterstützung gebrauchen konnte. Gerade dieser ganzheitliche Blick ist typisch für die traditionelle Pflanzenheilkunde. Statt einzelne Organe isoliert zu betrachten, wurde versucht, den gesamten Organismus in den Blick zu nehmen. Auch heute wird das Kletten-Labkraut deshalb häufig in Kräutermischungen mit Brennnessel, Löwenzahn, Birkenblättern oder Schafgarbe kombiniert. Diese Pflanzen ergänzen sich traditionell gut und werden oft gemeinsam verwendet. Spannend ist außerdem, dass sich die moderne Forschung zunehmend für die Inhaltsstoffe des Kletten-Labkrauts interessiert. Untersucht werden unter anderem antioxidative Eigenschaften sowie verschiedene sekundäre Pflanzenstoffe, die natürlicherweise in der Pflanze vorkommen. So verbindet das Kletten-Labkraut auf besondere Weise altes Pflanzenwissen mit modernen wissenschaftlichen Fragestellungen – eine Kombination, die viele traditionelle Heilpflanzen bis heute so faszinierend macht.

Nicht nur für Menschen interessant

Spannend ist, dass sich das Interesse am Kletten-Labkraut nicht auf den Menschen beschränkt. Auch in der naturheilkundlichen Tierbegleitung spielt die Pflanze seit vielen Jahren eine Rolle. Viele Tierhalter und Tierheilpraktiker kennen Kletten-Labkraut als Bestandteil traditioneller Kräutermischungen für Hunde, Katzen und Pferde. Gerade bei Pferden lässt sich häufig beobachten, dass bestimmte Kräuter gezielt aufgenommen werden, während andere stehen bleiben. Ob dahinter Instinkt, Erfahrung oder einfach persönlicher Geschmack steckt, darüber wird bis heute diskutiert. Fest steht jedoch: Das Kletten-Labkraut gehört zu den Pflanzen, die seit Generationen sowohl in der Kräuterkunde für Menschen als auch für Tiere geschätzt werden.

Was steckt eigentlich im Kletten-Labkraut? 

Wie viele heimische Wildkräuter enthält auch das Kletten-Labkraut eine Vielzahl natürlicher Pflanzenstoffe.
Dazu gehören unter anderem:

  • Flavonoide
  • Gerbstoffe
  • Bitterstoffe
  • Saponine
  • verschiedene sekundäre Pflanzenstoffe
  • Mineralstoffe wie Kalium, Calcium und Magnesium


Gerade diese natürliche Vielfalt macht Wildkräuter für viele Menschen so interessant. Oft ist es nicht ein einzelner Inhaltsstoff, sondern das Zusammenspiel vieler Komponenten, das eine Pflanze besonders macht.

Tradition trifft moderne Forschung

Viele Heilpflanzen werden heute wissenschaftlich untersucht – und auch das Kletten-Labkraut bildet dabei keine Ausnahme. Forscher beschäftigen sich unter anderem mit verschiedenen sekundären Pflanzenstoffen sowie antioxidativen Eigenschaften der Pflanze. Erste Untersuchungen liefern interessante Hinweise und zeigen, dass traditionelle Heilpflanzen auch heute noch Gegenstand wissenschaftlicher Forschung sind. Wie so oft gilt jedoch: Zwischen traditionellen Erfahrungen, Laboruntersuchungen und gesicherten wissenschaftlichen Aussagen liegen oft viele Jahre weiterer Forschung. Dennoch bleibt spannend zu beobachten, wie altes Kräuterwissen und moderne Wissenschaft sich immer wieder begegnen.

So wird Kletten-Labkraut traditionell verwendet

Wer sich näher mit dem Kletten-Labkraut beschäftigt, stößt früher oder später auf die Frage: Was macht man eigentlich mit der Pflanze? Tatsächlich wird das Wildkraut bereits seit Jahrhunderten gesammelt und auf unterschiedliche Weise genutzt. Besonders in der traditionellen Kräuterkunde spielte es eine wichtige Rolle und wurde oft frisch verarbeitet oder als Tee zubereitet.

Kletten-Labkraut als Tee

Die wohl bekannteste Anwendung ist die Zubereitung als Kräutertee. Verwendet werden dabei vor allem die jungen oberirdischen Pflanzenteile. Frisches oder getrocknetes Kraut wird mit heißem Wasser übergossen und anschließend einige Minuten ziehen gelassen. Der Geschmack überrascht viele Menschen. Wer kräftige Bitterstoffe erwartet, liegt beim Kletten-Labkraut eher falsch. Der Tee besitzt ein mildes, angenehm grünes Aroma mit einer leicht krautigen Note. Manche beschreiben ihn als frisch und sanft, andere fühlen sich geschmacklich ein wenig an junge Erbsen oder frische Wiesenkräuter erinnert. Gerade deshalb wird Kletten-Labkraut häufig auch mit anderen Kräutern kombiniert. Besonders beliebt sind Mischungen mit Brennnessel, Löwenzahn, Birkenblättern oder Schafgarbe.

Frisch verarbeitet

Viele Wildkräuterfreunde bevorzugen die frische Pflanze. Die jungen Triebe können fein gehackt in Salaten verwendet oder grünen Smoothies zugesetzt werden. Da die Pflanze noch weich und zart ist, eignet sie sich vor allem im Frühjahr für die Wildkräuterküche. Später im Jahr werden die Stängel zunehmend fester und die kleinen Häkchen machen sich deutlicher bemerkbar. Dann verliert die Pflanze etwas von ihrer kulinarischen Attraktivität.

Tinkturen und Kräuterauszüge

In der traditionellen Kräuterkunde wurden aus Kletten-Labkraut häufig auch Tinkturen hergestellt. Dabei werden frische Pflanzenteile über einen längeren Zeitraum in Alkohol ausgezogen, um die enthaltenen Pflanzenstoffe haltbar zu machen. Solche Kräuterauszüge haben eine lange Tradition und gehören bis heute zum klassischen Handwerkszeug vieler Kräuterkundiger.

Für Mensch und Tier

Interessant ist, dass Kletten-Labkraut nicht nur für den Menschen gesammelt wird. Auch in Kräutermischungen für Hunde, Katzen und Pferde findet die Pflanze immer wieder Verwendung. Besonders in naturheilkundlich orientierten Konzepten wird sie häufig mit anderen heimischen Wildkräutern kombiniert. Vielleicht liegt gerade darin ein Teil ihres besonderen Reizes: Das Kletten-Labkraut ist keine exotische Pflanze, die um die halbe Welt reisen musste. Es wächst direkt vor unserer Haustür und begleitet Mensch und Tier bereits seit Generationen.

Die größten Schätze wachsen oft direkt vor der Haustür

Vielleicht ist genau das die eigentliche Geschichte des Kletten-Labkrauts. Es trägt keine auffälligen Blüten. Es stammt nicht aus einem fernen Land. Es wird selten beworben und findet kaum Aufmerksamkeit. Und doch begleitet es den Menschen seit Jahrhunderten. Wer sich einmal näher mit dieser Pflanze beschäftigt, entdeckt weit mehr als nur ein Wildkraut, das an Kleidung hängen bleibt. Man entdeckt ein Stück altes Pflanzenwissen, das bis heute erhalten geblieben ist. Vielleicht lohnt sich deshalb beim nächsten Spaziergang ein etwas genauerer Blick auf die Pflanzen am Wegesrand. Manchmal wachsen die interessantesten Schätze genau dort, wo man sie am wenigsten vermutet.

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  • Ganz klar, die Tiere wissen instinktiv was gut gür sie ist


    Mein Hund Charly sucht sich jedes Frühjahr das Labkraut aus dem Gebüsch und frisst es und das täglich. Für mich ist klar, dass es hier nicht um den guten Geschmack geht.

  • eine lohnende Ergänzung meiner Kräuterkunde